ADK - Dritter Weg
Der Dritte Weg in der Evangelischen Kirche und der Diakonie
Sozialpartnerschaft und Mitbestimmung in Gemeinschaft
Der Dritte Weg in drei Sätzen
In Kirche und Diakonie orientieren sich DienstgeberInnen und DienstnehmerInnen am Leitbild der christlichen Dienstgemeinschaft, sie haben ein gemeinsames Interesse. Bei den Verhandlungen über Arbeitsbedingungen kann grundsätzlich nur eine gemeinsame Lösung gefunden werden, wie beide Seiten gleichberechtigt und gleichstark in der ARK vertreten sind und Beschlüsse mindestens mit Zweidrittel-mehrheit gefasst werden müssen. Der Dritte Weg funktioniert, weil in Kirche und Diakonie nicht profitorientiert gearbeitet wird, sondern die Arbeit für die Menschen an erster Stelle steht.
Der Dritte Weg ist gut für alle
Als Alternative neben den Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst und in der freien Wirtschaft zeigt der Dritte Weg, wie ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen auch ohne letzte Druckmittel zu fairen Ergebnissen kommen können, und welche Bedingungen notwendig sind, damit das bessere Argument zählt. Natürlich ist der Dritte Weg nicht auf die ganze Wirtschafts- und Arbeitswelt übertragbar – jedenfalls nicht unter den derzeitigen Voraussetzungen. Die Koexistenz von kirchlichdiakonischer und gewerkschaftlicher Verhandlungspraxis hilft beiden Seiten:
Angesichts gleicher Refinanzierungsbedingungen im sozialen Bereich sind die Tarifabschlüsse einer Seite eine Orientierungshilfe für die jeweils andere.
Kirche und Diakonie gehören zu den größten AnbieterInnen im sozialen Bereich. Ihre starke Tarifbindung sorgt für hohe Stabilität bei den Vergütungsstandards in diesem Sektor.
Was ist der Dritte Weg?
In Kirche und Diakonie arbeiten, unabhängig von beruflicher Stellung und Funktion, alle an einem Ziel, der Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat.
Man könnte sagen: Alle Mitarbeitenden von der Servicekraft bis zur Dienststellen-leitung sitzen in einem Boot.
Sie haben einen gemeinsamen Auftrag und wollen diesen bestmöglich erfüllen. Dafür orientieren sie sich am Leitbild der christlichen Dienstgemeinschaft. Es gibt also neben allen Gegensätzen auch viel Gemeinsames zwischen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen, die bei Kirche und Diakonie analog zum Leitbild Dienstgeber-Innen und DienstnehmerInnen genannt werden.
Das ist im Vergleich zur übrigen Arbeitswelt etwas Besonders. Und deshalb müssen und können Arbeitsbedingungen auf spezielle Weise ausgehandelt werden: Die Regelung von Sozialpartnerschaft und Mitbestimmung in evangelisch-lutherischer Kirche und Diakonie geschieht auf dem so genannten Dritten Weg.
Der Dritte Weg ist vom Grundgesetz legitimiert (Art. 4 GG, Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 3 WRV). Das wurde durch ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 20. November 2012 bestätigt.
Wie geht der Dritte Weg?
Der Dritte Weg basiert auf der Gleichberechtigung von DienstnehmerInnen und DienstgeberInnen. Jeweils gleich viele VertreterInnen von jeder Seite werden in die Arbeitsrechtliche Kommission (ARK) gewählt.
In der ARK werden die Arbeitsbedingungen, zum Beispiel Arbeitszeiten, Entgelt oder Urlaubsansprüche, per Mehrheitsbeschluss mit Zweidrittelmehrheit geregelt. Da gleich viele VerttreterInnen von Dienstgeber- und Dienstnehmerseite miteinander verhandeln, ist jede Entscheidung zwangsläufig eine gemeinsame, die von beiden Seiten mitgetragen werden muss.
Die Konstellation in der ARK bildet also die Idee der Dienstgemeinschaft ab.
Kann die ARK sich nicht einigen, hat jede Seite die Möglichkeit, den Schlichtungsausschuss anzurufen. Der Schlichtungsausschuss ist genau wie die ARK paritätisch besetzt. Die ARK einigt sich auf eine/n externe/n Vorsitzende/n, in der Regel ein/e anerkannte/r ArbeitsrechtsexpertIn mit Befähigung zum Richteramt oder zum höheren Verwaltungsdienst, die/der im Schlichtungsausschuss im Zweifelsfall die entscheidende Stimme hat. Die Vorsitzendenfunktion ist ein Ehrenamt. Die Beschlüsse des Schlichtungsausschusses sind verbindlich.
Was bringt der Dritte Weg?
Innerhalb des Dritten Weges kann sich nie eine Seite alleine durchsetzen. Alle Entscheidungen werden von gleichberechtigten VerhandlunsparterInnen gemeinsam getroffen. DienstnehmerInnen und DienstgeberInnen sehen nicht nur ihre jeweiligen Interessen, sondern sind sich immer auch ihrer Verantwortung für den gemeinsamen Dienst bewusst.
Durch die gemeinsame Verantwortung, das Schauen auf die Argumente der jeweils anderen Seite, die Notwendigkeit, zu einer gemeinsamen Entscheidung zu kommen, und die verbindliche Schlichtung sind letzte Druckmittel des Arbeitskampfs, wie Streik und Aussperrung, innerhalb des Dritten Weges nicht notwendig.
Wie kann das funktionieren?
Die Dienstgemeinschaft von DienstnehmerInnen und DienstgeberInnen macht´s möglich.
Der Dritte Weg funktioniert, weil in Kirche und Diakonie zwar wirtschaftlich, aber nicht profitorientiert und auf Gewinnmaximierung hingearbeitet wird. Wenn es Gewinne gibt, werden sie für soziale Zwecke verwendet und reinvestiert.
Niemand kann sich an erwirtschafteten Gewinnen persönlich bereichern.
Das ist die Basis für faire Verhandlungen, in denen alle Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden: Entlohnung, Wirtschaftlichkeit und möglichst gute Bedingungen für das gemeinsame Ziel: dem Dienst an den Menschen.
Vereinigung kirchlicher Mitarbeitendenverbände Deutschland, VKM-D, www.vkm-d.de, Jörg Kamps
